Sozialkontakt zwischen Artgenossen:
Das Herden- und Fluchttier Pferd fühlt sich nur in Gesellschaft anderer Pferde sicher. Die Herde bot ursprünglich Schutz gegen Fressfeinde. Aber das Zusammenleben erfordert gewisse Regeln - wie z.B. das Einfügen in eine Rangordnung, das Verstehen von Drohgebärden, das Beherrschen von Demutsgesten. Die passenden Verhaltensweisen können am besten vom Jungtier in Gesellschaft erlernt werden. Erwachsene Pferde können dies nur unvollständig nachholen.
Pferde, die ein unzureichendes Sozialverhalten gelernt haben, sind häufig zerrissen zwischen dem angeborenen Herdendrang und ihrer Angst vor dem Verhalten anderer Pferde. Dadurch stehen sie beständig unter Stress. Beengende Haltungsbedingungen (Boxenhaltung oder enge Paddocks) verursachen ebenfalls Stress - sie erzwingen eine zu geringe Individualdistanz gegenüber ranghöheren Pferden. Die Folgen sind vermehrt aggressives Verhalten und erhöhte Verletzungsgefahr.
Viele Halter kennen ihre Pferde nur unter diesen beengten Bedingungen bzw. in Gruppen ohne gefestigte Rangordnung. Dadurch hält sich hartnäckig der Irrtum, dass Herdenhaltung automatisch Stress und Verletzungsgefahr für die Pferde bedeutet. Aber die dauerhaft auferlegte Isolierung von den Artgenossen kann keine Lösung im Sinne des Pferdes sein. Viele so genannte Stall-Untugenden entstehen ursächlich durch Mängel in der Haltung, der Vergleich zu Hospitalismus beim Menschen ist durchaus angebracht.